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Wie Brexit den Versand zwischen der EU und Großbritannien beeinflusst

Man sollte meinen, dass fünf Jahre genügend Zeit sind, damit sich die internationale Logistik  an veränderte Zollbestimmungen gewöhnt und sich darauf eingestellt hat. Und doch bereitet vielen der Brexit, der zum Jahreswechsel 2020/2021 vollzogen wurde, noch immer Schwierigkeiten.

Großbritannien ist kein Mitglied der Europäischen Union mehr und infolgedessen endete auch der freie Warenverkehr zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Dieser Schritt hinterließ spürbare Folgen für den internationalen Versand. Was zuvor noch innergemeinschaftlicher Handel ohne Zollformalitäten war, ist heute klassischer Drittlandverkehr. Da für viele Händler Großbritannien weiterhin ein wichtiger Markt ist, lohnt es sich auch in 2026 nochmal genauer hinzusehen 

  • Was hat sich seit dem Brexit geändert?
  • Welche Auswirkungen hat das auf den Versand und die Logistik?
  • Und natürlich die wichtigste Frage: Wie können Händler reibungslos nach Großbritannien versenden?

Der aktuelle Ist-Zustand lässt sich so zusammenfassen: Wer nach Großbritannien versendet, muss mit Zollanmeldungen, Einfuhrumsatzsteuer, zusätzlichen Dokumenten und neuen regulatorischen Anforderungen rechnen. Jede Sendung muss seitdem formal deklariert werden. Egal wie hoch der Warenwert ist oder welche Versandart gewählt wurde.

Besonders für Onlinehändler, die zuvor unkompliziert nach Großbritannien geliefert haben, stellt diese Umstellung eine erhebliche Herausforderung dar. Diese Prozesse führen zu mehr Bürokratie, längeren Laufzeiten, höheren Kosten und einer gestiegenen Fehleranfälligkeit. Unvollständige oder fehlerhafte Zolldaten können Sendungen verzögern oder sogar blockieren.

Gleichzeitig ist die UK auch fünf Jahre nach dem Vollzug des Brexits immer noch ein wichtiger Absatzmarkt mit Kunden, die einen hohen Service-Standard gewohnt sind und sich diesen auch weiterhin wünschen. Dieses Spannungsfeld gilt es fortwährend zu navigieren.

Was genau hat sich durch den Brexit geändert?

Die Auswirkungen beschränken sich längst nicht nur auf die politische Ebene, sondern greifen tief in die operativen Abläufe des internationalen Verkehrs. Hier folgen die Änderungen im Detail:

  • Zollstatus & Dokumentationspflichten

Seit dem Brexit ist Großbritannien zollrechtlich als Drittland eingestuft. Der Warenverkehr zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich unterliegt erstmals seit der Gründung der Zollunion 1968 den regulären Zollformularien für Exporte und Importe. Jede einzelne Sendung muss ordnungsgemäß angemeldet werden. Dazu gehören unter anderem vollständige Zollanmeldungen, Handelsrechnungen, korrekte Warenbeschreibungen, Zolltarifnummern, Angaben zum Warenwert und Ursprungsland. Fehler in dieser Dokumentation führen zu Verzögerungen, zusätzlichen Kosten oder der Rücksendung der Ware. Der administrative Aufwand ist somit deutlich gestiegen und erfordert strukturierte Prozesse sowie fundiertes Zollwissen, um einen reibungslosen Versand zu garantieren.

  • Zoll und Freihandelsabkommen

Seit dem 1. Januar 2021 greift zudem das EU-UK Handels- und Zollabkommen (TCA). Dieses Abkommen sieht grundsätzlich keine Zölle für Ware vor, die zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich gehandelt werden – vorausgesetzt, gewisse Ursprungsregeln werden eingehalten. Diese Ursprungsregeln besagen, dass nur Ware, die nachweislich ihren Ursprung in der EU oder dem Vereinigten Königreich hat, zollfrei eingeführt werden darf. Entscheidend ist dabei nicht der Ort des Versands, sondern die Herkunft der Ware. Wenn Onlinehändler also Produkte aus Drittländern vertreiben oder komplexe Lieferketten nutzen, wird der Versand komplizierter.

Doch auch für Produkte, die ihren Ursprung in der EU oder der UK haben, bleibt der administrative Aufwand für Onlinehändler hoch. Der Nachweis des Ursprungs erfolgt über entsprechende Erklärungen auf der Handelsrechnung. Fehlen diese Angaben können Zollbehörden trotz Freihandelsabkommen Zölle erheben oder Pakete zurückhalten. Deswegen ist es sehr wichtig, dass die Ursprungsregeln geprüft, dokumentiert und regelmäßig aktualisiert werden. Für das Standardsortiment des Onlineshops bedeutet dies schon viel Aufwand, bei wechselnden Produktsortimenten oder einer Vielzahl an Lieferanten steigt die Komplexität erheblich.

  • Verzögerungen & Border-Checks

Bei dieser Komplexität ist es nicht verwunderlich, dass die neuen Zoll- und Dokumentationsanforderungen zu Verzögerungen führen. Jede Sendung muss kontrolliert werden, sodass auch bei korrekten Daten ein Prüfprozess an der Grenze den Versand verlängert. Sind diese Daten jedoch fehlerhaft, zieht sich der Verlauf natürlich noch weiter in die Länge. Gerade in Zeiten hohen Sendungsaufkommens zeigen sich die Auswirkungen dieser Anforderungen deutlich: Rückstaus an Grenzübergängen und längere Transitzeiten erschweren eine verlässliche Planung der Lieferzeit. Das wiederum führt dazu, dass Zustellversprechen schlechter eingehalten werden können.

Im Jahr 2025 stieg der Aufwand erneut. Mit der verpflichtenden Einführung summarischer Sicherheitsanmeldungen für EU-Einfuhren nach Großbritannien (ENS) müssen nun zusätzliche Vorabinformationen an die britischen Behörden übermittelt werden. In dieser Anmeldung inkludiert sind nun exakte Beförderungsdaten, detaillierte Warenbeschreibungen und vollständige Sendungs- und Transportreferenzen. Auch diese Maßnahme erhöht die Komplexität der Prozesse und den Aufwand für einen sauberen, fehlerfreien Versand.

  • VAT & Steuerfragen

Natürlich hat sich auch steuerlich etwas durch den Brexit geändert. Die bisherigen Umsatzsteuerregelungen, die in der ganzen EU gelten, greifen jetzt nicht mehr. Stattdessen gelten eigenständige Mehrwertsteuerregelungen. Bei Sendungen mit niedrigem Warenwert haben sich die Prozesse grundlegend geändert. Für B2C-Lieferungen nach Großbritannien wird die Mehrwertsteuer nicht mehr bei der Einfuhr durch den Kunden entrichtet, sondern muss in vielen Fällen direkt vom Händler abgeführt werden. Voraussetzung dafür ist die Registrierung für die britische VAT. Ziel der Regelung ist es, Steuerverluste zu vermeiden und den Onlinehandel transparenter zu gestalten. 

Praktische Auswirkungen für Versand & Logistik

Die veränderten Rahmenbedingungen wirken sich unmittelbar auf die operativen Versand- und Logistikprozesse aus. Für Versender bedeuten sie vor allem mehr Vorbereitung und höhere Anforderungen an die lückenlose Datenqualität. Vollständig und korrekt ausgefüllte Zolldokumente sind zwingend notwendig für einen reibungslosen Versand.

Auch bei korrekten Daten führen die zusätzlichen Prüfungen an der Grenze zu längeren Transitzeiten. Bürokratische Aufwände und Grenzkontrollen erschweren eine verlässliche Lieferzeitplanung. Hinzu kommen steigende Kosten für Händler und Versender. Zusätzliche Dienstleistungen wie die Einbindung von Zollagenturen, die Abwicklung der Verzollung oder die Erstellung von Sicherheitsanmeldungen erhöhen die Gesamtkosten pro Sendung. Diese Mehrkosten müssen einkalkuliert und berücksichtigt werden, um wirtschaftlich und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Konkrete Tipps für den reibungslosen Versand nach Großbritannien

Realistische Planungen und angepasste Prozesse sind nun entscheidend. Folgende Maßnahmen haben sich bereits in der Praxis bewährt:

  • Einsatz von spezialisierten Zollagenturen oder Versandpartnern: So werden Fehler vermieden und Prozesse standardisiert.
    Experten kennen sich aus und unterstützen maßgeblich.

  • Planung von Zeitpuffern bei der Lieferung: Die Überprüfung lässt sich nicht beschleunigen. Realistisch kalkulierte Lieferzeiten und ausreichende Zeitpuffer sorgen dafür, dass Enttäuschungen beim Kunden vermieden werden.
    Transparente Kommunikation ist hier entscheidend.

  • Automatisierte Software für Zoll- und Sicherheitserklärungen: Digitale Lösungen erhöhen die Datenqualität und senken die Fehlerquote. Außerdem sparen Automatisierungen Zeit und manuellen Aufwand.  

Kooperation mit Partner MS Direct

Komplexe Versand- und Zollprozesse lassen sich im Cross-Border-Geschäft kaum
ohne spezialisierten Partner abbilden. MS Direct ist ein etablierter Dienstleister für
E-Commerce-Fulfillment und langjähriger Partner von PARCEL.ONE.

Gemeinsam setzen wir Lösungen für den grenzüberschreitenden Versand um.
Auch in anspruchsvollen Märkten wie Großbritannien.

MS Direct unterstützt dabei, administrative Hürden zu reduzieren und Prozesse zu vereinfachen. Ziel ist es, stabil, transparent und skalierbar zu versenden, egal
wie groß die regulatorische Komplexität ist.

So unterstützt MS Direct im Cross-Border-Versand

Von der Zollabwicklung über das Dokumentenmanagement bis hin zur Retourenabwicklung.
MS Direct übernimmt zentrale Aufgaben entlang der gesamten Lieferkette. Sie entwickeln ein passendes Verzollungskonzept und kümmern sich um die vollständige Abwicklung der Dokumente. Dies betrifft die Erstellung und Prüfung der Handelsrechnungen, Ursprungsnachweise und allen weiteren zollrelevanten Angaben.

Auch die Koordination der Einfuhrformalitäten im Zielland liegt in ihrer Verantwortung. Die Abstimmung mit Zollbehörden und die saubere Abwicklung der Einfuhrprozesse sorgen für einen reibungslosen Grenzübertritt. Außerdem steuert MS Direct auch das
Cross-Border-Fulfillment und bindet internationale Carrier an.
Wenn Pakete zurückgeschickt werden, werden Retouren koordiniert und bereits entrichtete Abgaben, sofern möglich,
zurückgefordert.

Wenn du Fragen hast, weitere Informationen benötigst, fülle einfach das Formular aus →

Fazit: Erfolgreich versenden trotz Brexit

Der Brexit hat den EU-UK-Versand nachhaltig verändert. Was früher ein vergleichsweise einfacher Warenverkehr war, ist heute mit deutlich mehr Formalitäten und Aufwand verbunden. Es zeigt sich jedoch auch, dass mit der richtigen Vorbereitung der Versand nach Großbritannien planbar und umsetzbar ist. Entscheidend sind saubere Daten, strukturierte Prozesse und ein fundiertes Verständnis der aktuell geltenden Regelungen. Wer diese Faktoren berücksichtigt, kann reibungslos in das Vereinigte Königreich verkaufen.

Mit Hilfe des richtigen Partners muss man sich diesen Herausforderungen nicht alleine stellen. PARCEL.ONE und MS Direct helfen dabei, administrative Hürden zu überbrücken, Versandprozesse zu stabilisieren und in dem regulierten Umfeld effizient zu versenden. So wird der EU-UK-Handel trotz Brexit ein Erfolg.

Hast Du Fragen zum Versand nach Großbritannien oder brauchst Support?
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