Mangelware Rohstoffe – Ende der Preissteigerungen nicht absehbar

Seit Monaten mangelt es im eCommerce an Kartonage, Verpackungsmaterial und Paletten.  

Wir befinden uns in einer Krise.     

Die Corona-Pandemie hat so manche Entwicklungen verstärkt und Trends ausgelöst. So haben sich viele Menschen aufgrund eingeschränkter Bewegungsfreiheit und teils monatelanger Lockdowns den eigenen vier Wänden gewidmet.
Es wurde also renoviert, wo es nur ging – und auch neu gebaut … aber eben auch viel online bestellt.  

Die Erzeugerpreise sind im Vergleich zum letzten Jahr um 5,2% höher (April 2020 / 2021). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, war dies der höchste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit August 2011 (+5,2 %), als die Preise nach der Finanz- und Wirtschaftskrise stark gestiegen waren.

Paper

Dabei sahen sich Verarbeiter von Rohpapieren, zum Beispiel in Italien, vor vollendete Tatsachen gestellt und hatten im April nur zwei Optionen:  Entweder sie zahlten eine weitere Preiserhöhung für braune Sorten oder es gab kein Papier. Hersteller von AP-Packpapieren sahen sich weiter am längeren Hebel und hatten für Lieferungen im Mai einen weiteren Aufschlag angekündigt. Anders als in den vorangegangenen Monaten basiere diese Forderung stärker auf der guten Nachfrage und weniger auf den steigenden Altpapierkosten, heißt es aus Italien. 

Die Aussagen der Papierproduzenten waren Mitte April aber eindeutig: die Verfügbarkeit bleibt weiterhin angespannt, die Fabriken könnten mehr verkaufen als sie haben.  

Laut EUWID Marktbericht Wellpappe Deutschland ist die hohe Auslastung eine Zerreißprobe für die ganze Branche. Die Situation wird sich bis weit in den Sommer nicht entspannen.  
 
Wie DB Schenker treffend formulierte führt die andauernde Pandemie zu erheblichen, kaum beeinflussbaren Markt- und Situationsveränderungen, insbesondere zu Störungen der Beschaffungslogistik, der operativen Prozesse und der globalen Lieferketten.  

Markus Spiske YAlLIl4qtnc Unsplash

Nicht nur die Papierbranche ist betroffen.

„Die gesamte Bauwirtschaft, Verpackungs- und Holzindustrie verzeichnet insbesondere bei Standardkunststoffen, Wellpappe oder der Beschaffung von Holzprodukten und Europaletten eine Rohstoffknappheit und extreme Unterversorgung, die zu erhöhten Lieferengpässen, Lieferverzögerungen und Preissteigerungen auch bei unseren Vorlieferanten führen.“, so DB Schenker.  

Besonders starke Preisanstiege gegenüber dem Vorjahr waren auch bei metallischen Sekundärrohstoffen aus Eisen-, Stahl- und Aluminiumschrott (+62,7 %), und Metallen (+17,3 %) zu verzeichnen. Die Preise für Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen waren 23,5 % höher, Nichteisenmetalle und deren Halbzeug kosteten 21,7 % mehr. Hauptgrund dürfte die steigende Nachfrage im In- und Ausland sowie Probleme in der Versorgung mit Rohstoffen sein. China und die USA kaufen den deutschen Holzmarkt leer, um die wachsenden Baubranchen im eigenen Land beliefern zu können.  
 
Die gute Seite: Sägewerke melden Rekordproduktion. „Die Produktionssteigerungen in den ersten Monaten dieses Jahres zeigen die Bemühungen der Säge- und Holzindustrie, die hohe Nachfrage am Holzmarkt zu bedienen“, erklärt Jörn Kimmich, Präsident des DeSH. Die Rekordsumme von mehr als 7 Mio. m3 Schnittholz im ersten Quartal dieses Jahres sei eine Erhöhung um eine Million m3 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Wir arbeiten an der Kapazitätsgrenze und versuchen diese kontinuierlich zu steigern, um den Markt zu beruhigen“, betont Kimmich weiter.  

 

Jasmin Sessler EgqR ZUd4NI Unsplash

Wohin geht die Reise?  

In diesem Kontext darf man die gesamte Supply-Chain nicht vergessen. Die Kosten für Holz, Papier- und Pappe steigen. Der Transport und die Logistik werden teurer. Verpackungsmaterial wird knapp, Druckkosten steigen. Da Waren nicht verpackt werden können, reißt auch diese Lieferkette, was zu leeren Regale in sämtlichen Geschäften führt. 
Das Handwerk spricht von einem “Konjunkturkiller” 
„Die EU ist mit Blick auf die Stärkung ihrer strategischen Souveränität gefordert, sich zügig mit Lieferengpässen und Kapazitätsaufbau zu befassen“, sagte Wolfgang Niedermark, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, gegenüber dem Handelsblatt. Auch die Wirtschaftsminister schlagen Alarm.

Aufgrund von gesellschaftspolitischen wie auch wirtschaftlichen Entwicklungen ist ein Umdenken hin zu nachhaltig und ökologisch produzierten Gütern natürlich schon deutlich erkennbar. Aber leider scheuen viele Unternehmer bisher noch den Aufwand, der mit einer konsequenten Umstellung verbunden wäre. Nach Berechnungen des Bundesumweltamtes wäre es durchaus möglich die Materialkosten der gewerblichen Wirtschaft um ein Fünftel reduzieren. 
Aber nicht nur Unternehmer sondern auch die Verbraucher sind hier in der Verantwortung. Das Konsumverhalten entscheidet ebenfalls über die Nutzung von Rohstoffen.  

Eine Wendung hin zu mehr Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz ist eine Aufgabe, die nur gesamtgesellschaftlich gelöst werden kann.

Panik ist jetzt sicher unangebracht. Aber in Anbetracht der stetigen Verknappung von Rohstoffen und anhaltender Umweltbelastungen muss hier sehr schnell und konsequent gehandelt werden.

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